Was ich mich nicht getraut habe zu Fragen
Es gibt Fragen, die werden ganz laut gestellt.
"Wie stelle ich die Babytrage richtig ein?"
"Ab wann darf ich mein Baby auf dem Rücken tragen?"
Und dann gibt es Fragen, die werden oft gar nicht gestellt.
Nicht, weil sie unwichtig wären.
Sondern weil sie mit Scham verbunden sind.
Eine dieser Fragen hören wir immer wieder.
Oder besser gesagt: Wir hören sie oft erst ganz zum Schluss. Und oft ganz leise.
"Meinst du überhaupt, dass mir eine Babytrage passt?"
Manche Eltern fragen ganz vorsichtig.
Andere entschuldigen sich sogar dafür.
Und manche gehen einfach weiter, weil sie überzeugt sind, dass die Antwort sowieso "Nein" lautet.
Dabei hat ihnen manchmal schon jemand genau das gesagt.
"Für dich gibt es keine passende Babytrage."
Als wir das zum ersten Mal gehört haben, hat uns das ehrlich getroffen.
Nicht, weil wir beweisen wollten, dass unsere Tragen passen.
Sondern weil niemand das Gefühl haben sollte, aufgrund seines Körpers ausgeschlossen zu werden.
Wir erinnern uns an eine Mutter, die genau deshalb sehr unsicher zu uns kam. An einem anderen Stand hatte man ihr bereits gesagt, sie sei zu kräftig für eine Babytrage.
Also haben wir gar nicht lange diskutiert.
Wir haben ihr die Trage angelegt.
Sie passte.
Ohne Bauchgurtverlängerung.
Und wir dachten damals noch, das wäre ein Einzelfall.
Heute wissen wir, dass es keiner war.
Seitdem begegnet uns diese Sorge immer wieder.
Auf Messen.
In Online Beratungen.
Und manchmal erst ganz am Ende eines Gesprächs.
Nicht nur bei Müttern.
Auch Väter fragen uns manchmal ganz leise, ob der Bauchgurt wohl reicht.
Manche sprechen es direkt aus.
Viele überspielen ihre Unsicherheit mit einem lockeren Spruch.
Und andere sagen gar nichts.
Dabei wünschen wir uns genau das Gegenteil.
Wir wünschen uns, dass Eltern fragen.
Denn genau dafür sind wir da.
Wenn du dir gerade Gedanken machst, ob dir eine Babytrage überhaupt passt, bist du damit nicht allein.
Diese Sorge haben deutlich mehr Eltern, als man denkt.
Ein Körper ist kein Problem, das gelöst werden muss.
Er ist einfach der Körper, mit dem du dein Kind durchs Leben trägst.
Natürlich gibt es Unterschiede.
Manche Menschen brauchen eine Bauchgurtverlängerung.
Manche tragen lieber etwas höher.
Andere etwas tiefer.
Das ist völlig normal.
Genau deshalb entwickeln wir unsere Babytragen nicht nur am Schreibtisch.
Wir probieren sie mit echten Familien aus.
Mit kleinen und großen Menschen.
Mit schmalen und kräftigen Menschen.
Mit Müttern.
Mit Vätern.
Mit Menschen, die zum ersten Mal tragen.
Und mit Menschen, die schon ihr viertes Kind tragen.
Denn eine Babytrage sollte sich dem Menschen anpassen.
Nicht der Mensch der Babytrage.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Satz dieses Artikels.
Und vielleicht braucht es manchmal einfach nur einen Menschen, der sagt:
"Lass es uns doch einfach ausprobieren."
Denn genau in diesem Moment verschwindet Scham oft ein kleines Stück.
Aus Unsicherheit wird Neugier.
Aus Neugier wird Vertrauen.
Und manchmal reicht genau das, damit aus einer Sorge plötzlich Vorfreude wird.
Deshalb möchten wir dir noch etwas mitgeben.
Wir haben in all den Jahren noch nie jemanden dafür verurteilt, diese Frage zu stellen.
Im Gegenteil.
Wir freuen uns jedes Mal darüber.
Denn wir wissen, wie viel Überwindung sie kosten kann.
Dafür gibt es unseren Dorfplatz.
Und dafür gibt es unsere Trageberatungen.
Damit niemand mit dem Gefühl nach Hause geht, nicht dazuzugehören.
🌳 Dieses Thema ist Teil des LELIBA Wissensbaums.
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